Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte

Die Diagnose Krebs ist für jeden Betroffenen ein Schock. Neben Ängsten und Unsicherheiten tauchen viele Fragen gleichzeitig auf, mit denen man sich befassen muss, u.a. auch zum Thema Ernährung. Diese spielt für unsere Gesundheit und Gesundung generell eine ganz entscheidende Rolle. Bei einer Krebserkrankung gibt sie dem Patienten im Rahmen einer supportiven Therapiemaßnahme die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden.

Christiane Wader

eine Krebspatientin, erzählt hier Ihre Geschichte und was sie dazu veranlasst hat, ihre Ernährung komplett auf ketogen umzustellen.

Das Ziel waren 5-9% Kohlenhydrate und maximal 21% Eiweiß in der täglichen Ernährung. Und das bei einer Höchstgrenze von 20 Gramm Kohlenhydraten pro Tag. Uff!

Eine gewisse Disziplin zeichnete mich schon immer aus. Bei der ketogenen Ernährungsform ist Konsequenz allerdings unabdingbar. Zum einen braucht der Ketorianer gerade zu Beginn der Umstellung eine gute Standhaftigkeit, da es gilt, die alten Gewohnheiten zu verändern. Zum anderen benötigt der Körper ein wenig Zeit, in meinem Fall 3-4 Tage, um sich von Zucker- auf Fettverbrennung umzustellen.
Zur Motivation und Kontrolle versuchte ich umgehend, anhand von Urinteststreifen festzustellen, ob mein Körper den Stoffwechsel schon umgestellt und die Leber angefangen hatte, Ketonkörper zu erzeugen. Leider blieb die gewünschte Bestätigung der Teststreifen aus. Sollte die Umstellung trotz der schon gesammelten Erfahrungen doch schwieriger und komplizierter sein? Ich arbeitete mich noch intensiver in die Thematik ein und versuchte zu analysieren, was ernährungstechnisch umzustellen ist und verbessert werden könnte. Dass ich einfach sehr viel trank und mein Urin daher nicht die gewünschte Konzentration an Ketonkörpern beinhaltete, sollte ich erst später lernen.

Lecker
Lecker

Selbst wenn man sich schon sehr lange low carb ernährt und überzeugt davon ist, Kohlenhydrate in Lebensmitteln gut einschätzen zu können, liegt man beim Überschlagen vielfach daneben. In Folge dessen übersteigen manche Mahlzeiten die gewünschte Anzahl an Kohlenhydraten. Nach dieser Erkenntnis begann ich meine komplette Ernährung abzuwiegen. Digitalwaage und Laptop zogen in die Küche ein. Vor dem Kochen, nach dem Kochen, die Portion auf dem Teller usw. Zusätzlich besorgte ich mir diverse Bücher, anhand derer ich die Nährwerte aller möglichen Lebensmittel nachschlagen konnte. Mein Protokoll ließ mich staunen. Zum Frühstück eine Portion Quark gefolgt von 2 Mahlzeiten mit viel Gemüse ist nicht ketogen! Selbst wenn die Gemüsesorten mit den sehr hohen Kohlenhydratangaben gemieden werden, beinhalten die Mahlzeiten noch zu viele Kohlenhydrate oder enthalten zumindest nicht die gewünschte Nährwertverteilung.
Prinzipiell gewöhnte ich mir an, zu allen Speisen Butter, Fett oder Öl hinzuzufügen. Aufgrund des Verzehrs erheblicher Mengen Fett achtete ich beim Kauf auf ein gutes Omega 3 zu Omega 6 Verhältnis und eine gute Herkunft, zum Beispiel Butter von grasfressenden Kühen. Mit der Zeit ändert sich obendrein der Geschmacksinn, irgendwann wird die gekaufte Mandelmilch als viel zu süß empfunden und Bergkäse ohne extra Butter als viel zu trocken.
Später erfuhren wir, dass der Blut-Ketontest aussagekräftiger und zuverlässiger ist, ursprünglich entwickelt für Diabetiker um die Ketoazidose zu identifizieren. Es wird hierbei relativ genau die Ketonkonzentration im Blut ermittelt, ohne Abweichungen durch die Trinkmenge etc. Tatsächlich zeigte der Test, dass ich dauerhaft in der Ketose war, was mich stark motivierte weiterzumachen.
Die alltäglichen Mahlzeiten stellten schon nach kurzer Zeit kein Problem mehr in der Zubereitung dar. Ich hatte nie das Gefühl, verzichten zu müssen. Ohnehin war mir meine Situation bewusst und mir war klar, wofür ich diese Umstellung in Angriff genommen hatte. Oft hörte ich von Mitpatienten die Aussage, dass man sich gerade bei solch einer schlimmen Diagnose etwas gönnen wolle und nicht auch noch Verzicht üben müsse. Aus zwei Gründen sind mir solche Gedanken mehr als fremd. Erstens geht es um mein (Über-)Leben. Zweitens bin ich ein Genussmensch und hatte von Anfang an den Anspruch, auch mit der ketogenen Ernährung mein Essen genießen zu können. Und das kann man! Es erfordert lediglich ein Umdenken, ein wenig Organisation und Offenheit für Neues.