Aufregende Zeiten

Hui, dass ich das noch erlebe, denke ich oft, wenn ich beispielswiese lese, dass immer mehr Wissenschaftler die offiziellen Ernährungsempfehlungen (z. B. DiNicolantonio, JJ et al.) in Frage stellen. Wenn endlich heraus kommt, dass vieles, was dem Fett angelastet wurde, nicht belegt war, dass man Daten geschönt, Statistiken frisiert, Unterlagen unterschlagen und Wissenschaftler gekauft hat. Dann diese Woche die Meldung über eine Studie im renommierten Medizinerblatt JAMA: Die Zuckerlobby hat Wissenschaftler offenbar dafür bezahlt, dass sie den Zucker gut und das Fett schlecht aussehen lassen (Kearns, C et al.).

mix of sweet cakes, donuts and candy with sugar textSchon in den 1950er Jahren wurde gezeigt, dass das Sterberisiko steigt, wenn den Menschen gleichzeitig viel Zucker und viel gesättigte Fette zur Verfügung stehen (Verzehrsdaten hatte man damals nicht). Mit tatkräftiger Unterstützung der Zuckerindustrie verschwand der Zucker jedoch aus den Statistiken – das (gesättigte) Fett blieb als vermeintlicher Übeltäter übrig. Mit der Folge, dass immer mehr Kohlenhydrate und weniger Fett gegessen wurde. Die Folgen für die Figur und die Gesundheit sind bekannt und überall zu besichtigen.

Dass zumindest einer der JAMA-Autoren mit dem amerikanischen Zentrum für Tabakkontrolle (UCSF Center for Tobacco Control Research and Education) zu tun hat, wundert nicht, denn die aufgedeckten Machenschaften erinnern doch sehr an die unrühmlichen Aktivitäten der Tabakindustrie zur Vertuschung der Gefährlichkeit des Rauchens.

Bleibt zu hoffen dass derartige Manipulationen künftig schneller ans Licht kommen und dass sie geahndet werden. Denn bis heute sehe ich Arbeiten in der Fachliteratur, bei denen sich mir der Eindruck aufdrängt, die Ergebnisse hätten schon zu Beginn der Untersuchung festgestanden. Die Verantwortlichen von damals sind längst tot, sie können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Die Autoren des JAMA-Berichtes fordern, industriegesponserte Studien künftig genauer unter die Lupe zu nehmen und sie nicht so hoch zu bewerten bzw. stets die Gesamtheit der Forschungsergebnisse im Auge zu haben. Mal sehen, ob das klappt und wozu es führt.

Kohlenhydratlimitierten Ernährung

Derweil bleiben die Zeiten aufregend für Freunde der kohlenhydratlimitierten Ernährung, denn es erscheinen jetzt auch immer mehr Berichte darüber. Das ist einerseits schön, weil es die Sache bekannter macht. Andererseits wird es die Verwirrung aber erst noch einmal verstärken, weil doch gerne vor dem Weglassen der Kohlenhydrate gewarnt wird, wie jüngst auf Spiegel-Online. Das verwundert dann doch, denn erstens geht es ja gar nicht darum, die Carbs (Kohlenhydrate) völlig wegzulassen und zweitens fragt man sich, was so schlimm daran sein könnte, einen Nährstoff zu reduzieren, der für den Körper nicht essenziell ist.

Das Gute am Spiegel-Online Beitrag ist, dass nicht alles falsch ist. Ok, das war zu böse.

Also nochmal: Das Gute daran ist, dass etliches ganz gut erklärt wurde. Allerdings hätte man nach meinem Dafürhalten besser Menschen interviewt, die auch was von ketogener Ernährung verstehen. Wie die zahlreichen Kommentare zu dem Artikel zeigen, hätten manche Leser besser Auskunft geben können als die zitierten Experten.

In diesem Sinne weiterhin eine aufregende Keto / Low Carb Zeit,

Ihre Ulrike Gonder

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Ulrike Gonder
Diplom Ökotrophologin Ulrike Gonder verfasst seit vielen Jahren regelmäßig wissenschaftliche Publikationen – von Beiträgen in Fachzeitschriften bis hin zu Fachbüchern.
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