Effekte von ketogener Ernährung und Vitamin D auf einen Brusttumor – Ein interessanter Fallbericht

Was kann eine ketogene Ernährung, was können Vitamine bei Krebserkrankungen bewirken? Über diese Themen wird viel gestritten, auch unter Wissenschaftlern und Ärzten. Zum Thema ketogene Ernährung gibt es erste Studien mit vielversprechenden Ergebnissen, doch die sind klein und bedürfen der Ergänzung durch weitere Forschungen. Zum Glück laufen bereits etliche klinische Studien, auf deren Ergebnisse ich natürlich sehr gespannt bin.

Neben diesen wichtigen Arbeiten ist es meiner Meinung nach aber ebenso notwendig und interessant zu sehen, welche konkreten und persönlichen Erfahrungen Patienten mit der ketogenen Ernährung machen. Deshalb möchte ich hier über einen Fall berichten, der kürzlich von italienischen Wissenschaftlern in der Fachzeitschrift Anticancer Research veröffentlicht wurde:

Im Jahr 1985 war bei der damals 37-jährigen Patientin ein bösartiger Tumor in der rechten Brust festgestellt worden, der operativ entfernt wurde. Anschließend erhielt die Frau die nach brusterhaltenden OPs notwendige Bestrahlung. Mit 51 Jahren (1999) trat ein gleichartiger Tumor in der linken Brust auf, von dem jedoch nicht bekannt ist, ob es sich um eine Neuerkrankung oder ein Wiederauftreten (Metastase) der früheren Erkrankung handelte. Die Patientin wurde wieder operiert und bestrahlt und sie nahm zusätzlich sechs Jahre lang einen Östrogenrezeptor-Hemmer ein. Mit 66 Jahren, im März 2014, erwischte es die Frau erneut: Bei einer Routine-Mammographie fand man im Rest der zuerst erkrankten rechten Brust wieder einen bösartigen Tumor. Eine Gewebeprobe ergab, dass es sich um einen HER2- und Östrogenrezeptor-positiven Tumor handelte, mit nur sehr wenigen Progesteronrezeptoren und einem Ki67-Wert (ein Kennzeichen für die Zellteilungsrate) von 30 %. Mit anderen Worten: ein aggressiver Tumor mit ungünstiger Prognose.

Die drei Wochen bis zu ihrer OP nutzte die Frau für eine drastische Ernährungsumstellung: Sie ernährte sich in dieser Zeit streng ketogen, also extrem kohlenhydratarm und sehr fettreich. Zudem ergänzte sie ihre Kost durch viel Vitamin D (10.000 IE jeden zweiten Tag), reichlich Olivenöl und fermentierte Milchprodukte sowie ein kommerziell erhältliches Ölsäurepräparat.

Olive oil and olive branch on the wooden table outside

Die Untersuchung des bei der OP entnommenen Gewebes brachte eine Überraschung: Die Eigenschaften des Tumors hatten sich in nur 3 Wochen für die Patientin günstig verändert. Zwar waren der Ki67- und der Östrogenrezeptor-Wert unverändert geblieben. Es fand sich jetzt aber kein Hinweis mehr auf HER2 und das Tumorgewebe hatte deutlich mehr Progesteronrezeptoren. Beides ist günstiger für die Therapieaussichten als der Zustand zum Zeitpunkt der Diagnose.

Wie ist das möglich? Zwar kann ein solcher Fallbericht keinen endgültigen Beweis erbringen, doch er bestätigt, was auch aus der Grundlagenforschung bekannt ist: Sowohl eine ketogene Ernährung als auch Vitamin D und die im Olivenöl dominierende Ölsäure können die Bildung des ungünstigen HER2 von Brustkrebszellen vermindern. Hier zeigt sich einmal mehr, dass Ernährung zwar keine Wunder bewirken, dass sie aber sehr effektiv wirken und messbare Erfolge zeitigen kann.

Quelle:
Branca, JJV, Pacini, S, Ruggiero, M: Effects of pre-surgical vitamin D supplementation and ketogenic diet in a patient with recurrent breast cancer.
Anticancer Research 2015;35:5525-5532

Autor

author_image

Ulrike Gonder
Diplom Ökotrophologin Ulrike Gonder verfasst seit vielen Jahren regelmäßig wissenschaftliche Publikationen – von Beiträgen in Fachzeitschriften bis hin zu Fachbüchern.
Mehr erfahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.